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Ernst Rösner


Schulverbundsysteme in Nordrhein-Westfalen




„Wir sind bereit, im Interesse einer ortsnahen Schulversorgung im ländlichen Raum neue Wege zu beschreiten.“ - „Wir brauchen dazu keine Gesetzesänderung. Ich verspreche Ihnen: Wir werden fleißig darangehen - wenn es einen lohnenswerten Versuch gibt -, das unter Schulversuch - und der geht immer - in Gang zu bringen. Es müssen natürlich erkennbare Verbesserungen und Chancen für den Erhalt der Schule am Ort sein. Und es muß auch wenigstens ein bißchen die Chance bestehen - ein Schulversuch muß ja übertragbar sein -, ihn auch woanders, wenn auch in abgewandelter Form, anwenden zu können.“ (Hans Schwier 24. Juni 1993, Plenarprotokoll 11/102, S. 12850)


Kaum war der Vorschlag der Bündnisgrünen im Landtag ausgesprochen, da formierte sich gegen das Unsägliche der entschiedene Widerstand des größeren Koalitionspartners: Verbundschulen in unserem Land? Nicht mit uns. Bloß keine neuen Schulformen! Und überhaupt: Warum eigentlich? Wir haben doch für alle Erfordernisse die passenden Angebote im Regelschulwesen. - Hans Schwier wußte es offenbar besser...Bleiben wir sachlich, betrachten wir die Lage pragmatisch. Offensichtlich gibt es eine Anzahl guter Gründe, das Thema Verbundschule einer unvoreingenommenen Prüfung zu unterziehen.



Sonderfall Nordrhein-Westfalen


Nordrhein-Westfalen ist das einzige Bundesland ohne Verbindung von Bildungsgängen der Sekundarstufe I zu schulrechtlichen Einheiten. Alle anderen Bundesländer verfügen entweder traditionell über schulrechtliche Einheiten im Regelschulwesen, haben (weitere) schulrechtliche Einheiten im Zuge der Bildungsreformen der 60er und 70er Jahre eingeführt, wandelten Einheitsschulen teilweise in Verbundsysteme um oder führten solche Angebotsformen in jüngerer Zeit als Reaktion auf das veränderte Schulwahlverhalten bzw. zur Verbesserung der Bildungsangebote in dünnbesiedelten Regionen neu ein. Und warum? Weil die Zusammenführung von Bildungsgängen der Sekundarstufe I sowohl der Erhaltung als auch der Ergänzung vorhandener Schulangebote dienen kann - und das auf die mit Abstand kostengünstigste Weise, etwa durch durch gemeinsame Nutzung von Unterrichts- und Fachräumen sowie Sportstätten, aber auch durch die Vermeidung von personellen und räumlichen Doppelangeboten im Verwaltungsbereich. Über diesen ökonomischen Aspekt hinaus bietet das Konzept Schulträgern wie Schulaufsicht die Chance der Stabilisierung einzelner Bildungsgänge bei wechselhafter Nachfrage. Das bedeutet, daß die üblichen Auswirkungen steigender oder sinkender Schülerzahlen in einzelnen Bildungsgängen innerhalb eines Verbundes erheblich leichter auszugleichen sind als in eigenständigen Einzelschulen. Dies gilt für die Gebäudenutzung ebenso wie für die Bemessung der Lehrerstellen. Im übrigen gilt: Was den Lehrereinsatz in Verbundsystemen betrifft, so bestehen hierfür angesichts der Art der Lehrerausbildung in NW (Stufenlehrerprinzip) ausgesprochen günstige Voraussetzungen.



Hilfe für kleine Städte und dünnbesiedelte Regionen


Gerade in dünnbesiedelten Regionen stellt sich die Frage der durch Bildungsangebote maßgeblich mitbestimmten Standortqualität. Dieser Aspekt der sozialen Infrastruktur wird nachhaltig durch Erfordernisse des Schülertransportes und die dafür notwendigen Aufwendungen bestimmt. Da inzwischen im Zuge verschiedener kommunaler Sparmaßnahmen auch eine Diskussion über die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ausgaben für Schülertransporte entstanden ist, gewinnt die wohnungs- bzw. wohnortnahe Beschulung zusätzliche Bedeutung. Das daraus resultierende Dilemma liegt auf der Hand: Entweder werden Transportaufwendungen ganz oder teilweise privatisiert - oder Schulträger sind gehalten, im Rahmen des heutigen Regelschulwesens mit enormen Kostenaufwendungen Schulen nach traditionellen Standards am Wohnort oder im Stadtteil zu errichten. Preiswerte Bildungsgang-Ergänzungen könnten einen Ausweg aus diesem Dilemma weisen.Vor allem die Ergänzung des Pflichtschulangebotes der Hauptschule durch Realschulen entspricht einer im Land NW verbreiteten Bedürfnislage der Schulträger, denn weil die Schülerzahlen im Bereich der Sekundarstufe I voraussichtlich noch bis zur Mitte des nächsten Jahrzehnts anwachsen, werden Schulträger verstärkt zur Bereitstellung zusätzlicher eigener Bildungsangebote gedrängt. Eine Ursache sind hierfür sind zunehmenden Schwierigkeiten vor allem der solitär gelegene Mittelzentren, für aktuell steigende Schülerzahlen - darunter ein hoher Anteil von Einpendlern - im Bereich ihrer Realschulen und Gymnasien hinreichende Raumkapazitäten bereitzustellen und darüber hinaus auch noch die Kosten für den Transport auswärtiger Schülerinnen und Schüler zu übernehmen; diese werden durch den Schüleransatz im kommunalen Finanzausgleich lediglich reduziert, aber keineswegs kompensiert. Dies wiederum führt zur Verunsicherung benachbarter kleinerer Gemeinden und verstärkt deren Bemühungen um kostengünstige Bereitstellung zusätzlicher eigener weiterführender Bildungsgänge.


Beispiel: Die reichlich 10 000 Einwohner zählende Gemeinde Ense/Bremen (Kreis Soest) entsendet ihre Realschülerinnen und Realschüler in drei benachbarte Mittelzentren. Alle drei Standorte weisen erhebliche Schwierigkeiten auf, bei steigenden Realschülerzahlen aus der eigenen Stadt zusätzliche Schülerinnen und Schüler aufzunehmen. Über Aufnahmebegrenzung für Schülerinnen und Schüler aus Ense/Bremen wird bereits offen diskutiert. Folgericht beabsichtigt die Gemeinde Ense/Bremen die Errichtung eines eigenen Realschulbildungsganges in schulrechtlicher Einheit mit der bestehenden Hauptschule. Für eine eigenständige Realschule kann die Gemeinde die erforderlichen Voraussetzungen nach § 8 Schulverwaltungsgesetz nicht aufbringen.Keine Entwarnung bei langfristig stark sinkenden SchülerzahlenDie langfristig absehbare Schülerzahlentwicklung, die nach heutigem Kenntnisstand zur Unterschreitung der bislang bekannten Tiefststände führen wird, dürfte - wie schon einmal in den achtziger Jahren - dazu führen, daß nicht nur die Schülerzahlen in den Hauptschulen drastisch sinken, sondern auch in den anderen weiterführender Schulen - mit der Folge einer wachsende Aufnahme- und „Haltebereitschaft“ zugunsten der angemeldeten und aufgenommenen Schülerinnen und Schüler. Das aber läuft auf eine zusätzlichen Bedrohung sowohl der noch vorhandenen Hauptschulstandorte als auch der Qualität der weiter bestehenden Hauptschulen hinaus, z.B. Einzügigkeit und Verlust der Differenzierungsfähigkeit nach 10 A und 10 B. -


Das Interesse vornehmlich kleinerer Schulträger an der Einrichtung von schulischen Verbundsystemen ist allem Anschein nach stark ausgeprägt. Diese Mutmaßung jedenfalls legt eine Umfrage nahe, die der Verfasser vor einem halben Jahr bei Schulträgern mit weniger als 15 000 Einwohnern durchgeführt hat, die ausnahmslos kein vollständiges Sekundarschulangebot aufweisen. Insgesamt zeigt das Befragungsergebnis, daß jede vierte dieser Gemeinden ein Verbundsystem als weiterführendes und gleichzeitig konsensfähiges Angebot erachtet. Mit Sicherheit aber dürfte das Interesse angesichts der häufigen Wahl der vierten Antwortvorgabe „noch keine begründete Einschätzung möglich“ deutlich höher liegen. Rechnet man das Ergebnis auf alle Gemeinden der befragten Größenordnung hoch, so erscheint es realistisch, bei etwa 50-60 dieser Kommunen Bedarf und Interesse zu vermuten.


Einige Zahlen: Von den 396 Städten und Gemeinden des Landes NW weisen 140 kein vollständige Angebot der Sekundarstufe I auf (Definition Vollständigkeit: Entweder Hauptschule, Realschule und Gymnasium, Gesamtschule oder die drei Bildungsgänge des gegliederten Schulsystems zuzüglich Gesamtschule). Unvollständige Bildungsgänge bestehen in drei Varianten: Nur HS (N=25), HS+RS (N=52), HS+GY (N=63). Von den 140 Städten und Gemeinden mit unvollständigem Sekundarschulangebot haben 134 weniger als 20 000 Einwohner.


Der Verweis auf konzeptionelle Überlegenheit der Gesamtschule ist in aller Regel nicht weiterführend. Fraglos wäre die Gesamtschule in vielen kleineren Städten und Gemeinden die angemessene Versorgungsform im Bereich der weiterführenden Schulen. Ein Verweis auf diese Alternative ist allerdings weder durchgängig überzeugend noch überall naheliegend. So müßte zunächst ein hinreichender Bedarf nachgewiesen werden (der in vielen kleineren Gemeinden selbst bei Berücksichtigung potentieller Einpendler nicht erkennbar ist), sodann wäre es einer konzepttreuen Arbeit der Gesamtschule willen kaum vermeidbar, vorhandene Sekundarschulangebote aufzugeben, und schließlich sind die Investitionskosten für eine „Regel“-Gesamtschule nach den Vorgaben des Landes Nordrhein-Westfalen (vierzügig in der Sekundarstufe I, angeschlossene gymnasiale Oberstufe und Ganztagsangebot) in den weitaus meisten der als Gesamtschul-Standort geeigneten Gemeinden nicht mehr aufzubringen. Als Anhaltspunkt mag die seriöse Kostenschätzung einer Gemeinde in Ostwestfalen dienen, die für den Um- und Ausbau ihrer zweizügigen Hauptschule zu einer vierzügigen Regelgesamtschule mehr als 30 Mio. hätte aufwenden müssen - und dankend abwinkte.

Es wäre allerdings falsch, den Bedarf an Bildungsgang-Ergänzungen ausschließlich im Bereich kleinerer Städte und Gemeinden zu sehen. Richtig ist vielmehr, daß in vielen - vor allem peripher gelegenen - Stadtteilen größerer Kommunen Ergänzungen von Bildungsangeboten in der Form schulrechtlicher Einheiten ebenso zweckmäßig sind.



Kommunaler Konsens


Die schulrechtliche Verbindung unterschiedlicher Bildungsgänge des weiterführenden allgemeinbildenden Schulwesens ist anscheinend besonders gut geeignet, bildungspolitische Beschlußfassungen auf der Basis eines breiten kommunalen Konsens herbeizuführen. Wo in den Kommunalparlamenten darüber diskutiert wird, wird von den dort vertretenen Parteien diese Angebotsform offenbar als zweckmäßiger Kompromiß betrachtet. Unterschiedliche bildungspolitische Positionen finden sich in ihr wieder, sie wird ebenso als (noch) finanzierbare Infrastrukturmaßnahme erachtet wie als eine den örtlichen Bedingungen sinnvoll angepaßte Angebotsform.


Vernünftigerweise kann die Errichtung von Verbundsystemen in Nordrhein-Westfalen zunächst nur im Rahmen von Schulversuchen ermöglicht werden; das wäre nicht nur sachdienlich, sondern würde auch eine rasche Realsierung solcher Angebote zulassen. Bei grundsätzlicher Zustimmung zu Schulversuchen wiederum könnten die Vorgaben des § 4 Abs. 3 SchVG (Abweichungen von Bestimmungen des Regelschulwesens) bei der Bestimmung der Mindestzügigkeiten Anwendung finden. Das bedeutet z.B., daß es einem kleinen Schulträger prinzipiell erlaubt werden kann, einen Realschulbildungsgang als Bestandteil einer verbundenen Haupt- und Realschule zunächst einzügig zu führen. Dies jedenfalls erschiene in einem Schulverbund inhaltlich begründbar, wäre eine wichtige Startvoraussetzung des solchen Realschulbildungsgangs und dürfte bei Konsolidierung des Angebotes und seiner damit verbundenen Wahrnehmung ohnehin Übergangscharakter haben.

Gute pädagogische Gründe für Verbundsysteme


Es liefe auf eine unzulässige Verkürzung des Konzeptes der schulrechtlichen Einheiten hinaus, wenn diese ausschließlich unter Gesichtspunkten von Angebotsverbreiterung, konsenshafter Beschlußfassung sowie günstigen Investitions- und Betriebskosten gesehen würden. Vielmehr bietet der Zusammenschluß unterschiedlicher Bildungsgänge im dreigliedrigen Schulsystem vielfältige pädagogische Handlungsoptionen, die von der Raumbelegung (z.B. nach Jahrgangsstufen statt nach Schulformen) über Erfahrungslernen in anderen Bildungsgängen (einzelne Schülerinnen und Schüler besuchen den Fachunterricht des jeweils anspruchsvolleren Bildungsgangs) bis hin zu partieller Integration (Arbeitsgemeinschaften, Wahlpflichtunterricht). Damit können Verbundsysteme, die in Fragen der Durchlässigkeit zwischen den Bildungsgängen nicht an quantitative Überlegungen gebunden sind (Durchlässigkeit als Euphemismus für die Herstellung besserer Klassenfrequenzen, Verzicht auf Durchlässigkeit als Instrument zur Erhaltung von Schülern im eigenen System...), Entscheidungen über Auf- und Abstufungen ausschließlich nach pädagogischen Erwägungen treffen.


Einige Daten als Hintergrund zum Stichwort Durchlässigkeit: Zum Endes des Schuljahres 1995/96 wechselten 18 390 Schülerinnen und Schüler im Verlauf der Sekundarstufe I den Bildungsgang. Dabei erfolgte in 10% der Fälle ein Wechsel in ein anspruchsvollere Schulform, in 90% der Fälle handelte es sich um einen Übergang in eine weniger anspruchsvolle Schulform.Wichtig erscheint an dieser Stelle die Bemerkung, daß, wer Gestaltungsautonomie ernst meint, alle Formen bildungsgang-übergreifenden Zusammenarbeit nicht das Ergebnis administrativer Vorgaben, sondern nur Resultat schulinterner, allenfalls auf externer Beratung basierender Entscheidungsfindungen sein betrachten kann. Gerade in kleinen Gemeinden mit ihren stärker ausgeprägten sozialen Bezügen ist ein breiteres kommunales Bildungsangebot geeignet, die bei Kindern in der Grundschulzeit gewachsenen Bindungen beim Übergang in die Sekundarstufe I zumindest in wichtigen Teilbereich aufrechtzuerhalten: Gemeinsamer Schulweg, gemeinsame Schule, dasselbe Lehrerkollegium sowie - je nach pädagogischem Konzept der Schule - in Teilbereichen auch gemeinsame schulische Veranstaltungen. Was pädagogische Wirkungen betrifft, so ist ein erweitertes Sekundarschulangebot auch unter dem Gesichtspunkt der kulturellen Wohnortbindung zu bewerten.Viel Zustimmung im Grundsatz - Faszination des Vernünftigen?


Der schulrechtliche Zusammenschluß unterschiedlicher Bildungsgänge findet in einer Vielzahl bedeutender Organisationen nachhaltige Zustimmung. Auf verbandspolitischer Seite wird diese Art struktureller Weiterentwicklung gestützt von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (nicht als politisches Leitziel, wohl aber als Fortschritt gegenüber dem Bestehenden) und vom Verband Bildung und Erziehung, bei den kommunalen Spitzenverbänden besteht Übereinstimmung zwischen Städte- und Gemeindebund und Städtetag. Ebenso steht der schulrechtliche Verbund verschiedenartiger weiterführender Sekundarschulen im Einklang mit Grundsatzpositionen der SPD (als Schulversuch nicht einmal im Widerspruch zum Leverkusener Parteitagsbeschluß der Landes-SPD) und auch nicht im Gegensatz zu bildungspolitischen Leitvorstellungen der Fraktion Bündnis ´90 / Die Grünen. Bestimmte schulrechtliche Verbindungen werden von der CDU-Fraktion im Landtag NW nicht prinzipiell ausgeschlossen (vgl. Antrag „Mittelschule“), von einer Anzahl CDU-geführten Kommunen sogar nachhaltig gefordert.


Am 21. Juni 1996 beschloß der Landtag NW, die Landesregierung aufzufordern, „(...) Anträge von Schulträgern auf Einrichtung von Schulversuchen mit dem Ziel, das örtliche Bildungsangebot auch bei knappen kommunalen Finanzen zu erhalten bzw. auszuweiten und zu verbessern, im Interesse einer größeren kommunalen Gestaltungsfreiheit und Planungssicherheit zu genehmigen.“ (DrS. 12/1066)


Es kann nicht verwundern, daß diese Entschließung zahlreiche Städte und Gemeinden des Landes NW ermutigt hat, auf dem Weg eines Schulversuches die zumeist schon virulenten Überlegungen zur Ergänzung ihres Bildungsangebotes zu konkretisieren. Diese Schulträger gehen bis auf weiteres davon aus, daß ihnen die Entschließung eine realistische Handlungsoption eröffnet. Es wäre unter verschiedenen Gesichtspunkten fatal, falls die dort tätigen Initiativgruppen erfahren müßten, daß die Interpretation des Landtagsbeschlusses durch das Schulministerium keinen Spielraum für eine Verbesserung des kommunalen Bildungssangebotes durch Verbundsysteme eröffnet.



Horrorbild „Transitorium“


Die gelegentlich geäußerte Behauptung bzw. Befürchtung, Schulverbundsysteme seien letztlich nichts anderes als Übergangsformen („Transitorien“) auf dem Weg in ein integriertes Schulsystem, erweist sich bei einer genaueren Betrachtung der Schulwirklichkeit als unhaltbar bzw. unbegründet. Zwar ist es zutreffend, daß in Einzelfällen (und zwar ausnahmslos auf Betreiben der Schulen) in Hessen solche Umwandlungen stattgefunden haben; für nahezu alle Verbundschulen gilt jedoch, sie ihrem Selbstverständnis nach Schulen eines modernisierten gegliederten Schulsystems sind. Die Tatsache, daß aus Gymnasien weitaus mehr Gesamtschulen entstanden sind als aus Verbundsystemen, hat nach Kenntnis des Verfasser dem Gymnasium bislang nicht den Vorwurf eingebracht, es sei ein Zwischenstadium auf dem Weg zur integrierten Gesamtschule. - Es ist im übrigen schwer vorstellbar, daß ausgerechnet an jenen Standorten, wo keine hinreichende Nachfrage nach Gesamtschulplätzen besteht, im Zuge der Errichtung einer Verbundschule ausgerechnet ein Gesamtschul-Bedarf aufkommen könnte. Eine eingehendere politische Befassung mit der Schulwirklichkeit auf kommunaler Ebene öffnet nicht nur den Blick für die Notwendigkeit flexiblerer, regional angepaßter Schulversorgungsformen, sondern immunisiert gegen Mutmaßungen vom Schreibtisch.


Ernst Rösner


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